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02.04.2013

Lesezeit: etwa 4 Minuten

Lebensnahe Milieustudie

Buchtipp des Monats

Mit „Pascal Ormunait“ hat Björn Clemens ein aufrüttelndes Romandebüt vorgelegt

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Björn Clemens ist nicht nur als engagierter Strafverteidiger, sondern auch als feinsinniger Literat bekannt. Sowohl sein Lyrikband „Schwarze Fackel“ als auch die Essaysammlung „Abendbläue“ wurden vielfach positiv besprochen. Nun hat Clemens mit „Pascal Ormunait“ auch seinen ersten Roman geschrieben – einen Justizroman, der es in sich hat!

Clemens erzählt in dem voluminösen, aber kurzweiligen und überaus spannenden Band die Geschichte des Gymnasiasten Pascal Ormunait, dessen Interesse an Geschichte und Architektur durch seinen Großvater, einen ostpreußischen Heimatvertriebenen, immer wieder aufs Neue geweckt wird. Die Ehrenfelder Wohnung des alten Mannes wird zum Refugium für Pascal, der sich dort weitaus geborgener und heimischer als daheim bei Mutter und Stiefvater in einer Kölner Villengegend. Der Junge ist weit davon entfernt, sich als „rechts“ zu definieren, wächst jedoch mit einem intakten Verhältnis zur eigenen Nation und Kultur auf.

Für Pascal bricht förmlich eine Welt zusammen, als der Großvater in der Stadt von einer Horde türkischer Migranten aus nichtigem Grund verprügelt wird und letztlich an den Folgen des Überfalls stirbt. Doch die Täter treffen, wie so oft in der heutigen Zeit, auf eine milde Justiz. Pascal kann und will dies nicht akzeptieren. Als er den Staatsanwalt zur Rede stellen will, trifft er im Gericht auf den etwas älteren Kevin, der in patriotischen Kreisen unterwegs ist und sich wegen „Volksverhetzung“ vor dem Kadi verantworten muß. Beide freunden sich an, doch schon bald darauf wird die neue Freundschaft vor eine Zerreißprobe gestellt.

In den Mühlen der Justiz

Kevin gerät nun selbst ins Visier der Justiz, wird zum „Rechtsextremisten“ gestempelt, bekommt Probleme in der Schule und im Elternhaus. Er spürt die gesellschaftlichen Tücken und Fallstricke nun am eigenen Leib. Zu allem Überfluß wird auch er bald Opfer einer feigen Ausländerattacke, die ihn ins Krankenhaus bringt. Einzigen Halt findet er nur noch bei einer Zufallsbekanntschaft, einem distinguierten Anhänger der Gothic-Szene, der den Spitznamen „Der Graf“ trägt (nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter von „Unheilig“). Alles steuert auf eine Katastrophe zu, von der Pascal kaum noch einen Ausweg sieht. Doch schließlich kommt es zu einer entscheidenden Wende in seinem Leben.

Björn Clemens‘ Romandebüt „Pascal Ormunait“ ist eine lebensnahe Milieustudie aus dem multikriminellen Absurdistan heutiger Tage. Die unbestreitbare Authentizität des Werkes ist dabei nicht nur auf die langjährigen Erfahrungen des Autors mit dem bundesrepublikanischen Justizsystem zurückzuführen, sondern rührt auch her von den vielfältigen Interessen des Privatmannes Björn Clemens: der Preußen- und Luther-Verehrer findet sich in dem Roman ebenso wieder wie der Liebhaber dunkelromantischer Musik; man erkennt den Schlageter-Festredner wie auch den rheinischen Karnevalisten, den Freund politisch-historischer Literatur und erhabener Architektur, ebenso den geschmackssicheren Bonvivant.

Identitäres Kultbuch

„Pascal Ormunait“ ist aber bei weitem nicht nur ein Kompendium persönlicher Erlebnisse und Befindlichkeiten, sondern vor allem ein moderner Bildungsroman, der die überzeitliche Problematik von Gerechtigkeitsstreben und staatlicher Rechtsverweigerung darstellt – und der die Realität im heutigen Deutschland schonungslos offenlegt. Gleichzeitig ist er ein waschechter Rheinland-Roman, unverkennbar eingefärbt mit entsprechendem Lokalkolorit. Und als ebenso gewagten wie gelungenen Vorstoß eines originär rechten Literaten in die moderne Populärkultur kann man das Buch ohnehin gar nicht hoch genug schätzen.

Wer gute und spannende Unterhaltung zu schätzen weiß und dabei keine Scheu auch vor politisch höchst Unkorrektem hat, wird mit diesem Roman, den man geradezu als identitäres Kultbuch bezeichnen kann, seine wahre Freude haben. Er ist erschienen in dem ansonsten auf philosophische und mythologische Themen spezialisierten Telesma-Verlag des bekannten Publizisten Baal Müller. Allein dies bürgt schon für hohe Qualität und ein ebensolches Niveau. „Pascal Ormunait“ von Björn Clemens befindet sich damit in direkter Nachbarschaft zu Grundlagenwerken über die Lebensphilosophen Klages und Schuler, der Lyrik Rolf Schillings oder der kongenialen und aufwendig illustrierten Neuerzählung der Nibelungen-Sage des Verlagsinhabers höchstselbst. Keine Frage: mit dem Buch ist dem Autor ein echter Volltreffer gelungen, dessen Lektüre man nur empfehlen kann.


Thorsten Thomsen


Zu bestellen ist das besprochene Buch direkt beim DS-Versand:

Diese Rezension ist erschienen in der April-Ausgabe (4/2013) der DS.


 

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